Crossmedia – wie Medienmacher die Zukunft des Journalismus sehen | Videojournalismus

24. Mai 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

In einem Journalistenforum wurde kürzlich über ein Aufmacherbild von Spiegel Online diskutiert, das ein geschwollenes Gesicht in Großaufnahme zeigte. Die Frau war offenbar bei einem Polizeiverhör in den USA misshandelt worden. Um mehr über den Vorfall zu erfahren, musste man sich das verlinkte Video anschauen. Eben das wollten einige der Journalisten, die in dem Forum diskutierten, nicht tun. Es sei sensationsheischend, dieses Foto ohne erklärende Hintergründe so prominent auf der Seite zu platzieren und miese Taktik, die Besucher auf ein vermutlich nicht besseres Video leiten zu wollen. Natürlich könne man Letzteres erst mit Gewissheit sagen, wenn man das Video auch gesehen habe. Nur sei bisher kaum ein angeklickter Videoclip auf irgendwelchen Medienseiten annähernd journalistisch relevant gewesen, warum sollte es diesmal anders sein? (…)

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat Anfang März ein Seminar zur crossmedialen Möglichkeiten von Lokalredaktionen veranstaltet. Referenten waren neben Medienwissenschaftlern Chefredakteure, Verleger und Geschäftsführer von Regionalzeitungen. Folgt man ihren Ausführungen, sind folgende Antworten auf diese Frage denkbar:

  1. die Geschichte erscheint ausschließlich im gedruckten Blatt, weil man mit dem Online-Auftritt die eigene Zeitung nicht kannibalisieren möchte;
  2. die Geschichte wird online kurz angerissen, ist in Gänze aber nur in der Zeitung zu lesen;
  3. der Beitrag wir online gestellt, aber kostenpflichtig;
  4. der Beitrag erscheint zuerst online, dann in der Zeitung;
  5. wenn der Autor zusätzliche Bilder und ein Video anbietet, nimmt man es gern an, wird ihn aber im Fall, dass er freier Mitarbeiter ist, nicht zusätzlich honorieren;
  6. die Online-Redaktion möchte die Geschichte mehrmedial aufbereiten, hat aber keine qualifizierten Redakteure;
  7. es gibt qualifizierte Redakteure, aber die mehrmediale Aufbereitung wird vom Verlag als unverhältnismäßig teuer abgelehnt;
  8. es gibt qualifizierte Redakteure, aber die arbeiten an eigenen Formaten und Rubriken, die abgesehen von den “Breaking News” kaum Bezug zu exklusiven oder aktuellen Themen haben;
  9. es wird ein “Spezial” zum Bericht mit einfach gehaltenen Bilderstrecken und vielleicht einem Video gemacht.

Die unterschiedliche Gewichtung hängt vor allem an einer Frage: Ist der Online-Auftritt überbewertet oder unterschätzt? – und hier gehen die Meinungen sehr weit auseinander.

Advertisements

Tagged:

Antwort hinterlassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Crossmedia – wie Medienmacher die Zukunft des Journalismus sehen | Videojournalismus auf Medienzeiger.

Meta

%d Bloggern gefällt das: