Digitales Wissensmanagement – Analoges Denken vs. digitales Vorgehen

7. Juni 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

I. Das reale ICH als digitale WARE
Aufprallen von analogen Denken und digitaler Welt.
Welches sind die Gründe für die virtuelle Darstellung außerhalb des Webs? Internet wird allzu oft als Ursache (und nicht Werkzeug) für gesellschaftliche Fehlentwicklungen dargestellt. Es ist aber nur der Katalysator, für die virtuelle Darstellung, nicht die Ursache. Individuelle Präsentation im Internet entsteht aus der Notwendigkeit der

Diese bilden den Stoff aus dem der virtuelle Exhibitionismus besteht. Im realen Leben stört sich niemand daran: Ich-­AG, jeder ist ein Unternehmer, jeder muss sich vermarkten und sich als Marke mit den anderen messen: Ich‐AG‐Selbstvermarkten wird immer mehr zu einer Überlebensfrage. Offline ist es gut, sich immer in einem guten Licht zu präsentieren; warum sollte man es nicht auch Online tun? Die sich verflüssigende Grenze zwischen dem, was früher als privat und beruflich unterschieden wurde,

  • das selbstverständliche Arbeiten im Bereich der Privatsphäre (am Abend, zuhause)
  • die Verpflichtung zum lebenslangen Lernen und Weiterbilden

all das stammt nicht aus den Start­up-Garagen, aber dort weiss man damit umzugehen. Man greift zu kurz, wenn man die Kritik an den digitalen Jahrmärkten der Eitelkeiten nur auf das Eitle und das Digitale beschränkt.

Dass Menschen Informationen teilen und sich Online in einem guten Licht präsentieren wollen, überrascht nicht. Dass sie es massenhaft können und tun, wird zu einem Phänomen. 
Menschen üben in diesen Netzwerken das Spiel mit Identitäten, sie lernen die Stärke so genannter schwacher Bindungen. Aber: das Gros der Nutzer begreift überhaupt nichts: weder daß die persönlichen Daten zum Zahlungsmittel werden, noch dass sie dafür verantwortlich sind und lebenslänglich bleiben.

Es überwiegt einerseits die Wahrnehmung: Internet ist ein Fortschritt in der alltägliche Kommunikation durch E‐Mail, Twitter und Facebook, YouTube und Twikis. Begründete Kritik und diffuse Ressentiments sind andererseits fundiert, aber machtlos gegen den unaufhaltsamen Aufstieg der weltweiten Vernetzung und Überwachungssyteme, die den realen Machtinhabern der Welt profitieren. 

Sind die Netzkonzerne sinistre Mächte, Kritiker und Nutzer dagegen die Guten?
  • Facebook Nutzer könnten in den Unterhaltungen anderer Facebook Nutzer mitlesen.
  • Daten sollen von Facebook an Werbekunden und Kooperationspartner weitergegeben worden sein,
  • Facebook soll auch von Menschen, die auf der Plattform nicht registriert sind, nicht auffindbare, aber dauerhaft gespeicherte Profile anlegen.
  • Facebook soll jede einzelne Aktion eines Nutzers speichern, auch solche die zu keinem relevanten Ergebnis führen.
Bei den Forderung nach einer Ethik für die digitale Welt … sind die Nutzer ebenso gefordert wie die Anbieter, denn

  • die Masse der Menschen bewegt sich darin unachtsam und ist nicht kompetenter als beim Fernsehen. Die Medienkompetenz der Zeitgenossen ist kläglich und selbstverschuldet:

Schulen und Eltern sollten vorsorgen, sind aber oft von den Medien und den Digital Natives überfordert. Deren intuitive Intelligenz schafft ihnen zwar direkten Zugang zu allen Tools, aber nicht den Überblick. Von der Archimedes‐Perspektive ganz zu schweigen.

Die Netzkonzerne könnten hundertprozentige Transparenz im Umgang mit Nutzerdaten beweisen. Warum nicht eine kleine Schaltfäche im Facebook oder Googleprofil mit der Bezeichnung «Gespeicherte Daten»? Ein Klick, und das Unernehmen müsste alles offenbaren. (…)
 
II. Das neue Profil des Menschen
Kommerzielle und Wissenschaftliche Erkenntnisse. 
Im Internet hat sich die Definition des ICH verändert. Wir sind nicht mehr nur Personen mit ein paar persönlichen Daten. Das Ich ist zu einem wertvollen Datensatz geworden, vermarktet von Firmen wie Facebook und Google.

  1. Nicht der Einzelne ist interessant, sondern die möglichst große Masse.
  2. Die Masse an sich ist nicht wertig, sondern nur die Bewegungen, Artikulationen, Interessen und Kommunikationen der Einzelnen in dieser Masse.

Das ist ein Paradoxon für die analoge Welt: für die Welt der Körper, der realen Menschen, der Personalausweise, unveränderlichen Kennzeichen und konkreten Identitäten. Das ist nicht das Geschäftsprinzip der Welt der Netzkonzerne, sondern sie wollen alles von allen wissen, um mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit Aussagen über den Einzelnen zu machen und Prognosen zu stellen. Die Aggressivität der Netzkonzerne wie Google hat ein Ziel: möglichst viel von möglichst vielen erfassen und speichern zu müssen.

«400 Millionen Nutzer sind nett, aber wir wollen die ganze Welt vernetzen»
Facebook und Google wollen die Masse, sie wollen das Rauschen. Je größer und disparater, je lieber. Der Sound von Hybris wurde zum Geschäftsmodell.

Zusammenfassung des Feuilletons in der SZ (Nr. 126, S.14/15) zum Social Web, Datenschutz und der Informationsgewinnung im Internet; via scribd.com
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