Überwachung in Perfektion – Apple zeigt wo es lang geht

27. August 2010 § 2 Kommentare

Die Zeiten, in denen Apple Macintosh als der sympathische Rebell des Silicon Valley galt, sind schon etwas länger vorbei. Mit der Verbreitung des trojanischen Pferdes für Windows-User (iTunes) und des Jesus-Phone (iPhone) eroberte Apple große Anteile am Massenmarkt und zeigt diesem dabei, daß die Begriffe Innovation und freundliches Benutzerdesign nicht bloßes Marketinggedöns sind. 

1984 gewann der Konzern sprunghaft breitere Käuferschichten, als er zur Einführung des ersten Macintosh (Macintosh 128k) diesen während der Super-Bowl XVIII via CBS in einem von Ridley Scott gedrehten Werbespot den amerikanischen Fernsehzuschauern präsentierte. Darin zeigte dieser sich – in Anspielung auf die damals noch übermächtige IBM-Welt – als befreiende Alternative in einer an George Orwell’s „1984“ entlehnten Dystopie.

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Für den im Roman beschriebenen Televisor – einen Monitor, der nicht nur Bilder sendet sondern zudem die Umgebung filmt, ohne dass der Beobachtete dies bemerken kann – besitzt Apple schon länger die Patentrechte (US-Patent 20060007222). Trotzdem werden ihn die User lieben, weil man sich dann z.B. beim Video-Chat direkt in die Augen blicken oder bequemer den Kajal benutzen kann …

Jetzt sicherte sich Apple ein weiteres Patent (US-Patent 20100207721) das so ziemlich das Ultimativste sein dürfte, was man sich an Überwachung des Nutzers vorstellen kann. Sozusagen 19843. Spiegel Online hat dazu einen ausführlichen und informativen Artikel veröffentlicht.

Das wird den User aber auch nicht davon abhalten diese Produkte begeistert (d.h. im Zweifel gedankenlos) zu nutzen, denn schließlich werden diese ja nicht von Wissenschaftlern mit dotterverkrusteten Bärten, sondern von cleveren Marketing-Experten vertrieben. So preist Facebook seinen Dienst „Places“ – mit dem der aktuelle Aufenthaltsort mittels Handy an alle „Freunde“ übermittelt wird – nicht als „Orwell’sche Fußfessel“ an, sondern als Mehrwert, als Freundefindemaschine, die zu unverhofften spontanen Treffen in der Stadt, auf dem globalen Dorf, in der Sauna, im Delirium und – man ahnt es – selbst in der eigenen Wohnung führen kann! Jetzt mögen manche altmodische Zeitgenossen einwenden, dass man seine Freunde doch auch anrufen kann, um zu fragen wo und wie diese sich befinden und ob es denn überhaupt gerade genehm sei … und dies sicher auch weiterhin so handhaben – doch verrät dieser kinderleicht einzurichtende Dienst die eigentliche sehnsuchtsvolle Zielgruppe, die in dieser schönen neuen Welt aufwächst und sie gläubig als Normalität zu begreifen wünscht.

Niemand kann Marc Zuckerberg verübeln, dass er sich mit dem Vermakeln seiner Kundendaten an die Werbeindustrie eine goldene Nase verdient, solange die User nicht selbst deren Wert begreifen und verantwortungsvoll mit den eigenen Daten umgehen.
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§ 2 Antworten auf Überwachung in Perfektion – Apple zeigt wo es lang geht

  • Anonymous sagt:

    Für uns war’s früher ’ne grausige Vorstellung (und ist’s zT. noch), für die Kids heute scheint’s selbstverständlich zu sein, ihre Privatsphäre öffentlich zu machen.

  • Klaus Josberger sagt:

    Die Medien, deren vielfältige Angebote Freiheit und Befriedigung verheißen, fesseln den Konsumenten an den Fetischcharakter der Waren. Die Beziehungen der Menschen untereinander sind in der verwalteten Welt von Verdinglichung gekennzeichnet; Glück gibt es nur als Surrogat, als Glücksversprechen.Roger Behrens – Adorno-ABC

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