„Die Bild-Zeitung benutzte Sarrazin, wie ein Bauchredner seine Puppe“ « grenzgängerbeatz

13. September 2010 § Ein Kommentar

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Als sich nach wochenlang andauernden Berichten der Rauch in den Medien jetzt etwas verzogen hat, sieht man deren ideologisch geführte „Diskussion“ auch aus distanzierter Sicht nur im trüben Schein. Viele am Thema Interessierte müssen sich das Buch von Thilo Sarrazin trotzdem erst kaufen, um zu erfahren was er denn eigentlich gesagt hatte. Originalzitate – und solche im Zusammenhang – sind in der rechtskonservativen wie der linksliberalen Medienlandschaft sehr rar gestreut. Diese gefiel sich mehr in der Darstellung ihrer schnappatmigen Aufgeregtheit, während Üzgür und Horst abends in der Eckkneipe schon lange die Versäumnisse der „Integrationspolitik“ diskutierten.
Und nach
Thilo Sarrazins Abgang als Bundesbank-Vorstand, liest es sich in den Presseangeboten für Leser mit optischen Herausforderungen jetzt so, als ob er sich die Erhöhung seiner Pension um 1.000 € monatlich auch noch selber genehmigt hätte. Vielleicht kann man ja mit einer Neiddebatte noch etwas mehr Rauch erzeugen, während gleichzeitig bei Atompolitik und Bankenrettung ganz andere Summen bewegt wurden.
Um den Sündenbock wenigstens doch noch mit irgendetwas gruselig-rassistischen in Verbindung zu bringen, machte Anfang September im medialen Dorf ein auf YouTube aufgetauchter Auschnitt einer neuen Talkshow mit Benjamin von Stuckrad-Barre die Runde, in der sich die Teilnehmer gegenseitig Zettel auf die Stirn hefteten um die Begriffe darauf zu erraten. In der schon im Juni gedrehten Folge hatte der Gast Sarrazin „Bushido“ auf der Stirn stehen und Stuckrad-Barre „Goebbels“. Goebbels! Da hat jemand Goebbels gesagt!! Sarrazin kommentierte seine Wahl mit „Der Mann war sehr gut mit Worten“, doch hat das jetzt im Nachhinein nicht den selben Effekt, als wenn sein Gegenüber einen provokativen Begriff gewählt hätte.
Das ZDF hielt es jetzt für nötig diese Folge noch vor dem offiziellen Start im Dezember in seine Mediathek zu stellen. Bisher konnte die Beweiskette noch nicht ganz schlüssig zu Dr. Seltsam geführt werden, aber man hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung.
Eren Güvercin sprach mit Wolfgang Lieb, einem der Betreiber der NachDenkSeiten, über die rechtskonservative politische Meinungsmache der Springer-Presse.
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§ Eine Antwort auf „Die Bild-Zeitung benutzte Sarrazin, wie ein Bauchredner seine Puppe“ « grenzgängerbeatz

  • Klaus Josberger sagt:

    Norbert Bolz, Medien- und Kommunikationstheoretiker lehrt als Professor an der TU Berlin. Am 5. September fasste er als Gast bei Anne Will die Diskussion treffend zusammen http://www.youtube.com/watch?v=ElDlJHgm3es „Die Situation ist so, dass die Mehrheit der Bevölkerung dankbar dafür ist,dass ein Krawallmacher – nennen wir ihn meinetwegen einen Krawallmacher –endlich einmal Tabus durchstößt und Formulierungen wagt, die bei uns wirklich verboten sind.Wir leben weit entfernt von Meinungsfreiheit. (…) Zur Meinungsfreiheit gehörtfundamental der Respekt vor Andersdenkenden. Und ich sehe nirgendwo auch nur den Ansatzpunkt eines Respekts vor dem was andere, die nicht „politisch korrekt“ denken, sagen und veröffentlichen. Und das fehlt unserer Diskussion dringend. Die Leute draußen merken das. Und ich kann es Ihnen voraussagen: Es werden immer mehr!Ich bin fest davon überzeugt, dass das eine Art Geschichtszeichen ist, dieses Buch von Sarrazin. Und zwar nicht weil es eine hohe Qualität hat. Sondern weil es eine Auslöserfunktion hat. Die Leute lassen sich nicht länger für dumm verkaufen und sie lassen sich nicht länger zum Schweigen bringen.Das hat Sarrazin auf jeden Fall erreicht. Ob das nun geschickt war, ob das Krawall war, ob es vielleicht auch rassistisch war, spielt gar keine Rolle. Das entscheidende ist, dass die Leute nicht mehr bereit sind, sich von der politischen Klasse und von besonders arroganten Neuen Jakobinern, auch in den Feuilletons, den Mund verbieten zu lassen. Und das ist ein riesengroßer Gewinn für unsere Gesellschaft.“Zu dem selben Thema Prof. Bolz auch unter:http://www.nwzonline.de/Aktuelles/Politik/Meinung/NWZ/Artikel/2425602/Entt%E4

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