Bitte keine Werbung einwerfen – Wege zum anonymen Surfen

19. Januar 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Trotz steigenden Bewussteins über den Wert der eigenen Daten und sorgsameren Umgang mit diesen, ist sich der gemeine User über die Möglichkeiten der Ausspähung seines Surfverhaltens (und den konkreten politischen Plänen) nicht bewusst. 
Für Werbetreibende sind nicht so sehr die klassischen Identitätsdaten wie Name, Wohnort und Bankverbindung von Interesse, sondern das Nutzer- und Konsumprofil des Surfers. Je präziser dieses Verhalten im Netz beschrieben werden kann – ob er gewohnheitsmäßig Ratgeberseiten zu Mager-, Drogen- oder Pornosucht aufruft – desto wertvoller ist dieses Verhalten zur gezielten Vermarktung beliebiger Produkte, deren Wert findige Werbetreibende abschöpfen. Es gibt zwar Möglichkeiten gegen diese Ausspähung einzuschreiten, doch hapert es meisst am Wissen darüber und auch am erforderlichen eigenen Engagement, das hintennach auch einige liebgewonnene Annehmlichkeiten ausschließt. 

Der erste Schritt ist das sorgfältige Behandeln von Cookies: Kleine, unscheinbare Textdaten, die von der Webseite über den Browser lokal auf dem Rechner gespeichert werden, etwa um Login-Daten verfügbar zu halten. Die Missbrauchsmöglichkeiten liegen auf der Hand: Der User speichert so sein eigenes Surfprofil, das abrufbar für alle bereitliegt. Jeder Browser bietet zwar die Möglichkeit, bereits vorhandene Cookies zu löschen, neue gar nicht erst anzunehmen oder beim Schließen des Browsers zu löschen – doch hat das den scheinbaren Nachteil, daß man beim nächsten Besuch seiner Lieblingsseiten nicht sofort mit Namen begrüßt wird. Falls man dennoch die Bequemlichkeit des gespeicherten Logins behalten möchte, kann diesen Job jedoch ein zweiter Browser übernehmen. Heutzutage steht mit Chrome, Firefox und Opera eine ausreichende Auswahl an empfehlenswerten Alternativbrowsern bereit.

Der zweite Schritt ist etwas komplizierter für informatikferne Normalverbraucher: Adobe Flash hat die sehr unangenehme und durchaus kriminalisierungswürdige Nebeneigenschaft, „Zombie-Cookies“ (LOS – Local shared Objects) in entsprechenden Unterordnern des Betriebssystems zu hinterlassen, die browserunabhängig funktionieren und sich auch nach Löschung selbst wieder herstellen. Dagegen helfen vereinzelte Tools (oder Firefox-Plugins) oder das manuelle Löschen der Schnüffeldaten, die sich an Orten wie
c:Dokumente und Einstellungen<aktueller Benutzer>AnwendungsdatenMacromediaFlash Player#SharedObjects
aufhalten, und anschließender Besuch der dafür installierten Adobe/Macromedia-Website. Nur dort kann man nämlich seinem System via Flash-Einstellungsmanager befehlen, keine Flash-Cookies mehr anzunehmen. Die unerwünschten Nebenwirkungen halten sich in engen Grenzen, nur wenige Videoanbieter (ungeachtet der Alterszielgruppe) verlangen noch das Annehmen der Spionage-Cookies, um Unterhaltungsmedien abspielen zu können. Alle großen Anbieter wie Youtube oder Vimeo kommen ohne Schnüffel-Flash-Files aus.

Allerdings gibt es eine weitere Stufe der Nutzerprofilierung: Browser-Fingerabdrücke. Auch hier ist die Grundidee eigentlich vernünftig, lädt aber zu Missbrauch ein: Alle Surfprogramme erzählen der jeweils angesteuerten Webseite bereitwillig, welche über Plugins sie verfügen, auf welchem Betriebssystem sie laufen und welche Schriften installiert sind. Die Konfigurationsmöglichkeiten sind hier so vielfältig, dass viele, wenn nicht alle Webnutzer anhand dieses Browser-Fingerabdrucks identifiziert werden können. Auch ohne Text- und Zombie-Cookies. Die guten Leute von der Electronic Frontier Foundation (EFF) haben daher vor fast genau einem Jahr ein Testwerkzeug veröffentlicht, das eben diesen Fingerabdruck sichtbar macht: Panopticlick.

Nach 12monatiger Testphase liegen nun umfangreiche Vergleichsmuster vor. Die Benutzung von Panopticlick ist zu empfehlen, auch wenn das Ergebnis immer etwas gruselig ist. Trotz der scheinbaren Ausweglosigkeit aus der Aufhebung unserer Surfer-Anonymität durch die Geschwätzigkeit unserer Browser, wird aufgezeigt, dass es möglich ist, die eigenen Spuren zu verwischen: Updates, veränderte Plugin-Bestückung und gelegentliches Löschen (oder besser Ergänzen) von Systemschriften machen den Fingerabdruck undeutlich und erhöhen den Anonymitätsgrad: „In unserer Datenbank aus mehreren Millionen Besuchern hat nur einer von 349.223 Browsern denselben Fingerabdruck wie Ihrer“, könnte die Meldung nach einem einfach durchzuführenden Testdurchlauf auf Panopticlick lauten. Das ist immer noch ziemlich genau und sollte eigentlich durch gesetzliche Regelungen verhindert werden. Auch gegen den Widerstand vieler digitaler Werbe-Unternehmen. 
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